Integration der Teilpläne im Projekt-Controlling
Als ich heute bei schönstem Wetter erstmals den neuen A380 am Himmel über dem Landkreis Starnberg seine Testrunden ziehen sah – er war mir wegen seines Tiefflugs und seiner unvorstellbaren Größe aufgefallen – wurde ich auch an einen Artikel in FTD vom 13.7.2006 mit dem Titel „“EADS hinterfragt A380-Zeitplan erneut“ erinnert. Dort heißt es vom EADS-Co-Chef Thomas Enders u.a.: Enders gab zu, dass die Komplexität der Kabinenausstattung unterschätzt worden ist. Die bislang 16 Kunden haben jeweils andere Ansprüche an die Bordelektronik oder Deckgestaltung. „Wenn man jedem Kunden alles verspricht, kommt man irgendwann ins Schwitzen“, beschrieb Enders die Komplexität. Er regte an, dass Vertriebsleute künftig enger mit Ingenieuren zusammenarbeiten sollten.
In diesem Zusammenhang fallen mir sofort folgende „immerwährenden“ Controller-Standardfragen ein, die rechtzeitig vor „Fettnäpfchen“ schützen sollen, indem sie im Vorhinein und nicht, wie bei mir jetzt, im Nachhinein gestellt werden. Zunächst ist es die Frage nach der Integration der Teilpläne – sind die Vertriebspläne mit den Produktionsplänen nach Inhalt und Termin abgestimmt gewesen? Weiterhin taucht die Frage auf, ob diejenigen Termine und Inhalte definiert haben, die zuständig sind. Auch ergibt sich die Frage, ob die Zusagen mit denjenigen abgestimmt waren, die sie ausführen müssen, d.h. „von unten“ und „maßnahmenorientiert“ geplant waren. Generell lautet die Regel, dass ein Projektleiter nicht erst im Geburtsstadium eines Projektes, sondern bereits im Zeugungsstadium hinzugezogen werden sollte. Konkret heißt dieses, dass die Projektleiter für die entsprechende Auftragsfertigung bereits bei den Vertragsverhandlungen anwesend sind. Viele Projektfertiger kennen wahrscheinlich die Freud’ und das Leid, wenn der „Vertriebler“ allein zum Kunden geht. Zur Freude bringt er häufig Aufträge mit. Das Leid ist, dass er dem Kunden fast immer alles versprochen hat. Aber auch wenn die „Profis der Realisierung“ dabei sind, kann es unter Wettbewerbs- und Zeitdruck zu falschen Entscheidungen kommen.Dann heißt es frühestmöglich Schadensbegrenzung zu betreiben, Forecasts zu erstellen, „Korrekturzündungen“ zu erzeugen und die Ergebnisse rechtzeitig in angemessener Form allen Beteiligten zu kommunizieren.
Und jetzt freue ich mich erst recht auf meinen ersten Flug mit dem A380!