Kann Fehlerbereitschaft die Karriere fördern?
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Mich haben z.B. wichtige E-Mails wegen eines zu aggressiven Spamfilters in der letzten Woche nicht erreicht. Wichtig ist aber, zu seinen Fehler zu stehen und sie evtl. charmant zu bekennen. Die Partner wollen den Menschen und nicht eine glatte Fassade sehen.
In der letzten Woche führte ich in diesem Zusammenhang beim Mittagessen ein Gespräch mit Führungsnachwuchskräften eines Konzerns. In diesem Unternehmen sollen künftig alle Regelarbeitszeiten abgeschafft werden. Jeder kann selber entscheiden, ob er z.B. zwischen 14.00 Uhr und 24.00 Uhr arbeiten will. Wichtig ist nur die eigenverantwortliche und ergebnisorientierte Eingliederung in arbeitsteilige internationalen Managementprozesse. Die Hongkong-Delegierten dieses Konzerns schicken z.B. regelmäßig zwischen 22.00 Uhr und 24.00 Uhr Ortszeit, vor dem Fernseher sitzend, E-Mails in die deutsche Zentrale, um zum Arbeitsbeginn am nächsten Morgen bereits die Beschlüsse zu haben. Auch soll es in diesem Unternehmen zukünftig keine Zeiterfassungssysteme mehr geben. Es gilt nur der Erfüllungsgrad für eine Leistung.
Das Problem, das von den Führungsnachwuchskräften gesehen wird, ist, dass neben den üblichen 10 Überstunden, die regelmäßig vom zu hohen Übertrag pro Monat gestrichen werden, die Arbeitszeit noch länger wird. Für diese Situationen gibt es nach den bisherigen Erfahrungen dieser Nachwuchskräfte nur ein Erfolgsrezept: Prioritäten setzen und ein effizientes Selbst- und Zeitmanagement zu betreiben. Zum Prioritäten setzen gehört auch, bei C-Themen hin und wieder sachlich begründet „Nein“ zu sagen, zu delegieren bzw. einmal Fehler zu riskieren. Auch wenn der Chef und die Kollegen vielleicht noch am Arbeitsplatz sitzen, sollte man Feierabend machen, wenn die Arbeit getan ist, und nicht gruppenkonform noch weiter arbeiten. Ansonsten droht die Ausnutzung und der individuelle Burnout.
Schließlich stellt sich noch die Frage, ob es nicht manchmal besser ist, durch einen Fehler in der Schuld eines Anderen oder der Gruppe zu stehen als permanent der perfekte Besserwisser (und Konkurrent) zu sein. Fehler können auch menschlich sein und sympathisch machen. Das mag aber jeder selber für sich entscheiden.