Passen Sie (als Controller) zu Ihrem CEO?
Diese Frage stellten Heimo Losbichler, 1. Vorsitzender des Internationalen Controller Vereins, und Robert Ottel, MBA, Vorstand der voestalpine AG, in einem Beitrag für das Controller Magazin, Ausgabe 3, 2015, Seite 4. Die entsprechende Ausgabe des Controller-Magazins können Sie kostenlos von der Haufe.-Site downloaden.
Bereits damals hatte mich dieser Artikel interessiert und ist mir daher bis heute in meiner Erinnerung geblieben. Gerne möchte ich hier meine Erfahrungen anhand dieses Artikels mitteilen, vielleicht besonders interessant bei einem Stellenwechsel oder für HR-Mitarbeiter.
Ein langjähriger, sehr erfahrener HR-Leiter sagte einmal: Häufig kommen die Mitarbeiter wegen der Firma und gehen wieder wegen des Chefs.
Je nachdem ob der CEO stark oder schwach ist, ausgewogen oder eingeschränkt denkt, sehen Losbichler/Ottel in einer 4-Quadranten-Darstellung folgende vier Rollen für einen Controller.
Ja nach Stärke und Sichtweise des CEO, sehen Losbichler/Ottel den Controller als Treiber (Powerhouse), Unterstützer ((wissenschaftlicher) Assistent), Lebensversicherung (Korrektiv), Inhouse-Consultant (Lückenfüller).
In den letzten 5 Jahren hatte ich zwei CEOs und einen CFO als direkte Vorgesetzte. Ein CFO und ein CEO kamen „von außen“ in die Firma, einen CEO habe ich mir im Rahmen eines Wechsels gewählt.
Alle 3 Personen würde ich als starke Persönlichkeiten betrachten, wobei zwei von ihnen eine langjährige Erfahrung als CFO und CEO, auch für das Rechnungswesen zuständig, hatten.
Der Controller wird bei diesen, in ihrer Persönlichkeit und Fachlichkeit starken Vorgesetzten, zum (wissenschaftlichen) Assistenten des CEO/CFO, so Losbichler/Ottel:
„Der Controller muss nichts tun und darf, außer der Systempflege und -entwicklung, meist auch nichts tun. In dieser Rolle flüchten Controller vielfach in die mitunter auch kostspielige Weiterentwicklung des Controlling-Systems.“ Manchmal werde die Controller auch in diese Rolle geschickt, z.B. als Projektleiter für eine neue Softwareanwendung oder ein BI-System.

Am meisten Freude hat mir in den letzten Jahren die Rolle des Controllers als Lebensversicherung bereitet. Losbichler/Ottel schreiben: „Die schwierigste aber auch wichtigste Rolle hat der Controller, wenn der CEO stark aber (fachlich) eingeschränkt ist. Diese Rolle hatte ich mehrfach in meinem Leben: auf der „anderen Seite“ einen sehr erfolgreichen Manager, der bislang aber nicht in kaufmännischer Funktionen gewesen war, sondern Vertriebsleiter, Werksleitet etc.
Diese Zusammenarbeit war nicht immer einfach, doch unter dem Strich für beide Seiten sehr erfolgreich und, so meine Einschätzung, auch jederzeit von gegenseitigem Respekt geprägt.
Daher würde ich jedem Junior-Controller in seinen fachlichen Anfangs- und Wachstumsjahren einen fachlich „starken“ Kaufmann/CFO/Controller als Vorgesetzten empfehlen, um das nötige fachliche Rüstzeug und Standing zu erwerben, mit einiger Reife dann aber für ein weiteres Wachstum zum Business-Partner den Wechsel zu einem Vorgesetzten in Vertrieb, Supply-Chain, Produktion etc., um nicht in der Rolle als „Edel-Assistent“ oder „Experte“ zu bleiben, was im Sinn einer Referentenlaufbahn vielleicht auch für den einen oder anderen interessant sein mag.